Eine Geschichte, die in Belgien beginnt
Diese Widmung des amerikanischen Astronauten Mike Fincke an das Euro Space Center ist keineswegs zufällig entstanden. Um ihre Geschichte zu verstehen, müssen wir ins Jahr 2022 zurückgehen – zu einer unerwarteten Begegnung.
In diesem Jahr lernt Pierre-Emmanuel Paulis, Space Instructor am Euro Space Center, Tarali Fincke, die Tochter von Mike Fincke, kennen. Sie hält sich damals im Rahmen eines Sprachaustauschs in Belgien auf. Einige Monate später besucht Tarali das Center anlässlich der Space Week 2022, die unter anderem in Anwesenheit des ersten belgischen Astronauten Dirk Frimout stattfindet.
Doch die Geschichte endet hier nicht: Später absolviert sie ein Praktikum im Euro Space Center und hält dort sogar einen Vortrag über ihre ganz besondere Erfahrung: die Tochter eines Astronauten zu sein.
Schließlich führt die Verbindung über den Atlantik. Während einer Reise nach Houston besucht Pierre-Emmanuel das Johnson Space Center der NASA und trifft dort diesmal … Mike Fincke persönlich.
Anfang August 2026 kehrt die Geschichte dorthin zurück, wo sie begonnen hat. Tarali ist erneut in Belgien und schaut wieder im Euro Space Center vorbei. Dabei überbringt sie uns eine Widmung ihres Vaters – nur wenige Tage bevor dieser seine 30-jährige Karriere bei der NASA beendet.
Darin fordert Mike Fincke uns dazu auf, weiterhin „nach den Sternen zu greifen“ und die nächste Generation zu inspirieren. Worte, die bei uns besonders nachhallen: Die Begeisterung für Wissenschaft und Raumfahrt weiterzugeben, Berufe aus der Raumfahrtbranche vorzustellen und vielleicht sogar neue Berufungen zu wecken, gehört zu unserer Mission.
Nachdem wir Tarali im Euro Space Center begrüßen durften und Mike in Houston getroffen haben, bleibt nun noch ein Kapitel, das wir gerne schreiben würden: Mike Fincke eines Tages selbst im Center willkommen zu heißen.
Bis dahin wollen wir diesen Astronauten mit seinem außergewöhnlichen Werdegang näher kennenlernen.

„Speziell für das Euro Space Center!
Greift weiterhin nach den Sternen!
Inspiriert die nächste Generation und macht den Planeten Erde zu einem besseren Ort.“
Wer ist Mike Fincke?
4 Raumflüge, 549 Tage im All, 9 Außenbordeinsätze und 2 Kommandos der Internationalen Raumstation. Schon diese Zahlen vermitteln einen Eindruck von der beeindruckenden Karriere von Mike Fincke.
Edward Michael „Mike“ Fincke wurde 1967 in Pittsburgh geboren und ist amerikanischer Ingenieur, Pilot und Astronaut. 1996 trat er der NASA bei und wurde Teil der 16. Astronautengruppe der Raumfahrtbehörde.
Dreißig Jahre später belegt er den 4. Platz unter den NASA-Astronauten mit der längsten kumulierten Aufenthaltsdauer im All, hinter Peggy Whitson, Suni Williams und Don Pettit.
Besonders bemerkenswert ist auch die Dauer seiner Laufbahn: Zwischen seinem ersten Start im Jahr 2004 und seiner letzten Rückkehr zur Erde im Jahr 2026 liegen mehr als zwanzig Jahre Entwicklung in der bemannten Raumfahrt.
Von Sojus bis Crew Dragon: vier Missionen, drei Jahrzehnte Weltraumforschung
Zwischen seinem ersten Start im Jahr 2004 und seiner letzten Rückkehr zur Erde im Jahr 2026 erlebte Mike Fincke mehrere Generationen der bemannten Raumfahrt. Sojus, Space Shuttle, Crew Dragon: vier Missionen, die mehr als zwanzig Jahre Entwicklung der Weltraumforschung widerspiegeln.
2004 — Expedition 9: erstes Ziel, die ISS
Am 19. April 2004 startet Mike Fincke zum ersten Mal ins All, an Bord von Sojus TMA-4. Er fliegt zur Internationalen Raumstation und verbringt dort fast sechs Monate als Flugingenieur und wissenschaftlicher Leiter der NASA.
Schon seine erste Mission ist intensiv: Er absolviert dabei vier Außenbordeinsätze.
2008 — Expedition 18: Kommandant der ISS
Vier Jahre später kehrt Mike Fincke mit Sojus TMA-13 zur ISS zurück – diesmal mit zusätzlicher Verantwortung: Er übernimmt das Kommando der Expedition 18.
Während seines Aufenthalts beteiligt sich die Besatzung unter anderem an den Vorbereitungen dafür, dass die Station künftig dauerhaft sechs statt zuvor drei Personen aufnehmen kann.
2011 — STS-134: der letzte Flug der Endeavour
2011 wechselt Mike Fincke das Raumfahrzeug: Für die Mission STS-134 fliegt er an Bord der Raumfähre Endeavour, bei ihrem 25. und letzten Flug ins All.
Bei dieser Mission wird unter anderem das Alpha Magnetic Spectrometer (AMS-02) zur ISS gebracht, ein bedeutendes wissenschaftliches Instrument zur Untersuchung der kosmischen Strahlung. Fincke absolviert außerdem drei Außenbordeinsätze.
Nach dieser Mission vergehen 14 Jahre, bevor er erneut ins All zurückkehrt.
2025 — Crew-11: Rückkehr ins All
Am 1. August 2025 startet Mike Fincke im Alter von 58 Jahren erneut ins All. Diesmal ist er Pilot von Crew-11 an Bord der SpaceX-Crew-Dragon Endeavour.
Er stößt zur Expedition 73 und übernimmt anschließend zum zweiten Mal in seiner Karriere das Kommando der Internationalen Raumstation während der Expedition 74.
Damit liegen mehr als zwanzig Jahre zwischen seinem ersten und seinem letzten Aufenthalt auf der ISS. Seine Karriere begleitet eine tiefgreifende Veränderung der bemannten Raumfahrt: von Sojus über das Space Shuttle bis hin zum Crew Dragon.
30 Jahre bei der NASA: Erfahrungen einer Generation werden weitergegeben
Am 19. August 2026 beginnt ein neues Kapitel. Nach 30 Jahren bei der NASA verlässt Mike Fincke die amerikanische Raumfahrtbehörde.
Sein Vermächtnis lässt sich jedoch nicht allein auf seine 549 Tage im Orbit reduzieren. Im Laufe seiner Karriere wirkte er auch an der Entwicklung neuer Generationen amerikanischer Raumfahrzeuge mit und qualifizierte sich auf mehreren Systemen: Sojus, Space Shuttle, Crew Dragon und auch Starliner.
Seine Laufbahn erzählt damit zugleich einen Teil der jüngeren Geschichte der bemannten Raumfahrt: von den Space Shuttles und den ersten dauerhaften ISS-Besatzungen bis hin zu den kommerziellen Raumfahrzeugen, die heute amerikanische Astronauten ins All bringen.
Zugleich hinterlässt er einen großen Erfahrungsschatz, den er an eine neue Generation von Astronautinnen und Astronauten weitergegeben hat, während die NASA mit dem Artemis-Programm die Rückkehr des Menschen zunächst in die Umgebung des Mondes und später auf seine Oberfläche vorbereitet.
Nachdem Mike Fincke drei Jahrzehnte lang zur Geschichte der ISS beigetragen hat, übergibt er nun nach und nach den Staffelstab an diejenigen, die die nächsten Kapitel der Weltraumforschung schreiben werden.
Und wenn diese Geschichte den nächsten Astronauten inspirieren würde?
Mike Fincke hat 30 Jahre seines Lebens der Erforschung des Weltraums, dem wissenschaftlichen Fortschritt und der Weitergabe seiner Erfahrung an die nächsten Generationen gewidmet.
Im Euro Space Center wird dieser Wunsch, zukünftige Entdeckerinnen und Entdecker zu inspirieren, jeden Tag lebendig. Bei einem Tagesbesuch oder während eines Camps können Kinder und Erwachsene die Welt der Raumfahrt entdecken, experimentieren, Herausforderungen meistern und selbst in die Rolle eines Astronauten schlüpfen.
Für manche ist es eine erste Entdeckung, für andere der Beginn einer echten Leidenschaft … und wer weiß, vielleicht sogar der Anfang einer Berufung!

Von links nach rechts: Mike Fincke, Pierre-Emmanuel Paulis und Tarali Fincke.

